"Wasser gestaltet die Welt" 2008

Folgender Text zeigt Auszüge aus unserem Antrag an das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, welches das Projekt "Wasser gestaltet die Welt" finanziell gefördert hat.

An dieser Stelle ergeht hierfür herzlichen Dank.

Beschreibung der Ziele:

Fließender Übergang vom Kindergarten in die Grundschule

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. – Verband für Arten- und Biotopschutz (LBV) engagiert sich Bayern weit für den Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Dabei liegt ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt im Bereich Umweltbildung bzw. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Die Bezirksgeschäftsstelle Unterfranken mit dem LBV-Naturerlebnisgarten Kleinostheim ist seit 13 Jahren in der Umweltbildung aktiv. 2006 wurde der ‚Garten zur Nachhaltigkeit’ angelegt zur Umsetzung von Themenbereichen zur Agenda 21 mit einem partizipativem und integrativem Ansatz.

Für den Bereich der Elementarpädagogik hat der LBV mit seiner weit über Bayern hinaus anerkannten Fortbildungsreihe lebengestaltenlernen (Dekade-Projekt seit 2005) einen Grundstein gelegt, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in den Kindergärten zu verankern und erlebbar zu machen. Dabei kommt der Vermittlung von sieben identifizierten Schlüsselkompetenzen eine entscheidende Rolle zu, die sich mit den Inhalten und Methoden der Umweltbildung optimal fördern lassen: positive Identifikation mit sich selbst, kommunikative Kompetenz, grob- und feinmotorische Fähigkeiten, achtsamer Umgang mit sich selbst und mit anderen Lebewesen, emotionale Kompetenz, Sozialkompetenz und Gestaltungskompetenz.

Auf dieser erprobten Basis sollen im Rahmen der UN Dekade 2008 mit dem Schwerpunktthema ‚Wasser ’ Module durchgeführt werden, die nicht nur Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Bildungseinrichtungen des Elementarbereiches fördern, sondern darüber hinaus auch ein Netzwerk zu verschiedenen Kooperations- und Bildungspartnern schaffen. Auf dieser Grundlage wird ein Fortbildungsprogramm für Multiplikatoren im pädagogischen Bereich ausgearbeitet und erprobt.

 

Der Themenbereich ‚Wasser’ eignet sich besonders, einen Bogen zu schlagen zu den verschiedensten Kooperationspartnern. Dabei wurden zunächst ...

  • Grundschulen (Tandembildung Schule-Kindergarten)

  • Künstler (Wasser gestaltet die Welt – wir gestalten mit Wasser) und

  • ‚Eine-Welt-Vereine’ (Wasser-kostbarer als ein Schatz aus Gold)

  • Fachschulen zur Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften (Wasser verbindet)

... ausgewählt.

 

Bei der Beschäftigung der Kinder in den einzelnen Modulen steht partizipatives Vorgehen als Leitmotiv unter dem Motto „Hilf mir es selbst zu tun!“, wie es schon die bekannte italienische Pädagogin Maria Montessori forderte. Dabei kommt die BNE dem Forscher- und Entdeckungsdrang der Kinder, die ja letztlich Konstrukteure ihrer eigenen Welt sind, sehr entgegen. Wichtig ist dabei auch, die Kinder als einen Teil der Gesellschaft zu sehen, die Zusammenhänge begreifen wollen, die eine eigene Meinung haben und selbstverständlich bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Aktive Selbsterfahrung sowie der Zugang zu Wissen, Kultur und Bildung eröffnen ihnen vielfältige Möglichkeiten, um das nötige Selbstbewusstsein für eine erfolgreiche und lebenswerte Zukunft zu sammeln.

Der Tandembildung zwischen Bildungseinrichtungen im Elementarbereich und Grundschulen wird dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da hier die LBV-Umweltstation als Bindeglied fungieren kann, um die BNE in beiden Einrichtungen übergangslos zu implementieren. Intensive Förderung sollen dabei Kinder ausländischer Herkunft und Kinder mit Behinderungen erfahren, da gerade diese Gruppen mit partizipativen Projekten gut integriert werden können. Der Erfolg der Tandembildung sollte evaluiert werden, indem die Tandems (mit Projekten und Fortbildungen) begleitet werden, bis die teilnehmenden Kinder aus dem Kindergarten in die Schule wechseln.

Dadurch soll sowohl für die BNE als auch für die Kinder ein fließender Übergang vom Kindergarten zur Grundschule geschaffen werden.

 

Die Zeit in den Kindertagesstätten und Schulen ist Bildungszeit. Je mehr Bildungsgelegenheiten und Bildungspartner wir Kindern in diesem Alter bieten, umso besser können sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen zu sein.

 

Mit der Schaffung eines ‚Wasser-Netzwerks’ wird auch die weitere Verbreitung der Dachmarke ‚Umweltbildung in Bayern’ unterstützt.

 

Antragsteller: Thomas Staab, Leiter der LBV-Umweltstation Naturerlebnisgarten Kleinostheim, Basisprojekt „Garten zur Nachhaltigkeit“

Projektleiterin: Karin Dinter, Diplombiologin, seit 20 Jahren im Bereich Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung tätig.

MitarbeiterInnen: Barbara Vormwald, Diplombiologin auf Honorarbasis, Elisabeth Berger, Natur- und Landschaftsführerin, Praktikanten, Zivildienstleistende,  LBV-Ehrenamtliche.

Träger: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. - Verband für Arten- und Biotopschutz (LBV)

Tätigkeitsschwerpunkte des LBV: Arten- und Biotopschutz, klassischer Naturschutz, Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung

Zielgruppen des LBV: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Multiplikatoren, Menschen mit Behinderung, Vereine, Kindertageseinrichtungen, Schulen, Touristen, Freizeitgruppen, Milieugruppen

Der LBV ist ein gemeinnütziger und eingetragener Verein.

Ausgangspunkt:

Wasser ist 2008 das Schwerpunktthema der UN Dekade. Es ist ein faszinierendes Medium, um Kinder in die vielfältigsten Lebensbereiche einzuführen, in denen Wasser eine Rolle spielt. Der Naturerlebnisgarten der LBV Bezirksgeschäftstelle Unterfranken mit seinen verschiedenen Lebensraumangeboten (Teich, Garten zur Nachhaltigkeit, Geologieanlage...) sowie das neue Seminargebäude bieten den optimalen Rahmen zu Erprobung der erarbeiteten Module sowie zur Durchführung der Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikatoren. Die langjährigen Aktivitäten des LBV vor Ort bilden die geeignete Basis, um die Kooperationen und Kontakte zu Bildungspartnern aufzubauen und zu pflegen.

 

Besondere Kompetenz der LBV-Umweltstation:

  • Langjährige Erfahrung in der Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Erfüllen der Organisationsaufgaben und der Öffentlichkeitsarbeit
  • Zusammenführen der Kooperations- und Bildungspartner
  • Bereitstellen der räumlichen, technischen und landschaftlichen Erfordernisse
  • Behindertengerechte Ausgestaltung des Naturerlebnisgartens
  • Ausarbeiten und Begleiten der Projekte
  • Durchführung eigener Projekte
  • Einführung des Fachpersonals in die Thematik
  • Fortbildungsveranstaltungen für die Multiplikatoren aus Kindergärten und Schulen
  • Zusammenstellen und Verbreitung der erprobten Module in schriftlicher Form

Projektbeschreibung:

 

Wasser gibt es überall auf der Welt. Die Erde ist zu drei Vierteln mit Wasser bedeckt, davon sind 97% Salzwasser. Wasser kennt keine Grenzen. Unser Körper besteht zu 70% aus Wasser. Im Wasser hat sich das Leben der Erde entwickelt. Alle Lebewesen brauchen Wasser zum Exsistieren. Wasser kann seinen Aggregatzustand und damit seine Eigenschaften ändern. Wasser kann gefährlich sein, aber auch gestaltend und segensreich wirken. Mit Wasser lässt sich gestalten. Es gibt Wasserknappheit in vielen Teilen der Erde, aber manchmal auch ein zuviel an Wasser. Und Wasser macht einfach Spaß! Es gibt unzählige Gründe, sich mit dem Thema Wasser auseinander zu setzen.

Zielsetzung:

  • Umsetzung der Module zum Themenbereich ‚Wasser’ unter Berücksichtigung der Bildung für nachhaltige Entwicklung für den Elementar- und Grundschulbereich
  • Tandembildung zwischen Kindergärten und Grundschulen und Begleitung der Tandems durch die Umweltstation über einen längeren Zeitraum
  • Zugang zum Thema ‚Wasser’ in einem ganzheitlichen Ansatz, auf sinnestätige Weise, Werte und Wissen vermittelnd
  • Einrichtung einer Dauerausstellung zum ‚Phänomen Wasser’
  • Transfer von Umweltwissen zum Umwelthandeln
  • Vermittlung ökologischer Zusammenhänge und Förderung von Kompetenzen
  • Einbeziehung vielfältiger Kooperations- und Bildungspartner sowie der Öffentlichkeit, um die Inhalte, Maßnahmen und Projekte der BNE weiter zu verbreiten und gemeinsame Handlungskonzepte zu entwickeln
  • Fortbildungen von Multiplikatoren im pädagogischen Bereich, um BNE in den Bildungseinrichtungen zu implementieren und deren nachhaltige Weiterführung zu gewährleisten
  • Ausarbeitung und Verbreitung einer überregional gültigen Handreichung zur Tandem- und Netzwerkbildung

Schwerpunktthemen der Module mit den einzelnen Bildungspartnern in Zusammenarbeit mit Einrichtungen im Elementarbereich und der LBV Umweltstation:

1. Bildungspartner Grundschulen

Um einen Anschluss der Kindergärten an die Grundschulen und eine Kontinuität der BNE in den frühen Bildungsjahren zu erreichen, wird eine Tandembildung zwischen einzelnen Schulen und Kindergärten angestrebt. Dazu gibt es gemeinsame Patenschaften von einzelnen Schulklassen und Kindergartengruppen für bestimmte Projekte zum Thema Wasser, die vom LBV angeregt und begleitet und von den Kindern gemeinsam durchgeführt werden.

 

Tandembildung Schule-Kindergarten Wasser als Lebensraum

  • Bau von Forschungsausrüstungen und gemeinsame Gewässeruntersuchung mit Wiederholungen und Vergleich über das Jahr
  • Modellhafter Nachbau des Lebensraumes und der Wasserlebewesen für eine Ausstellung: gemeinsame öffentliche Präsentation der Ergebnisse

 

Kraft des Wassers

  • Anleitung der Grundschüler zu physikalischen Wasser-Experimenten; Vorführung der Experimente durch die Schüler im Kindergarten
  • Spiele und Experimente mit Wasser in allen Aggregatzuständen
  • Tragende Kraft des Wasser: Schiffs- und Floßbau – natürlich mit Wettrennen!
  • Wasser macht Steine rund

 

Wasser mit allen Sinnen

  • Einüben eines Puppenspiels oder Theaterstücks mit der Schulklasse - Vorführungen im Kindergarten
  • Wassertropfenwerkstatt, Wellenkino, Regenbogenmaschine und Unterwasserwelten
  • Wasser mit allen Sinnen in der Ausstellung ‚Phänomen Wasser’ erleben
  • Wassermuseum zum Sehen, Hören, Riechen und Schmecken

 

Wasser der Erde

  • Verteilung des Wassers auf der Erde: Erdkugel und Wassersäulen
  • Wassernutzung – Wasserschutz: Bau einer ‚Wasserwaage’
  • Hydrologischer Zyklus: Wasserdampf, Wolken, Regen

 

Die nachstehenden Bildungspartner sollen gemeinsam mit den pädagogischen Einrichtungen und der LBV-Umweltstation arbeiten und die oben genannten Themen ergänzen:

2. Bildungspartner Künstler

Ein Bildungswunsch, den Donata Elschenbroisch, Expertin für die Bildung der frühen Jahre in ihrem Buch: ‚Weltwissen der Siebenjährigen’ abgefragt hat, lautet: „einem Meister, einer Expertin, einem Könner begegnet sein. Neben ihr oder ihm gearbeitet haben“. Künstlerisches gestalten unter Anleitung bzw. Vorbild eines Menschen, der die Kunst erlernt hat‚ gibt Selbstvertrauen und macht stolz darauf, etwas selbst geschaffen zu haben.

 

Wasser gestaltet die Welt – wir gestalten mit Wasser

  • Wasserfarben und Eisgeister: verschiedenen Gestaltungstechniken
  • Wasser zum Klingen bringen
  • Wasserleitsysteme bauen
  • Textiles Gestalten: Wasser und Wolle = Filz
  • Sand und Wasser – eine kreative Verbindung
  • Literarisches: Wassergedichte, Wassergeschichten hören und erfinden

Dazu Vernissagen und Versteigerung der Kunstwerke mit Auktionator

3. Bildungspartner Eine-Welt-Vereine

Nicht überall auf der Welt ist Wasser selbstverständlich. Viele Menschen (1,2 Milliarden) auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein Blick über den Tellerrand auf die globale Situation lässt uns die eigene privilegierte Situation besser wertschätzen und somit auch einen vorsichtigeren Umgang mit Wasser einüben.

 

Wasser - kostbarer als ein Schatz aus Gold!

  • Wassersituationen in der Welt
  • Bedeutung von Wasser im Leben von Kindern fremder Länder
  • Rollenspiele mit authentischen Gegenständen

4. Bildungspartner Fachschulen zur Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften

Um eine kontinuierliche Verbreitung der BNE sowie der Dachmarke ‚Umweltbildung in Bayern’ zu gewährleisten, sollte die Umsetzung der Module in der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften Eingang finden. Der Anschluss von Kindergarten zur Grundschule sollte dabei ein fließender Übergang werden. Es ist angedacht, bei den Fortbildungsveranstaltungen insbesondere Teilnehmer der Fortbildungsreihe lebengestaltenlernen einzuladen (Nachhaltigkeit).

 

Wasser verbindet

  • gemeinsame Fortbildungen für Fachkräfte aus Kindergärten und Schulen
  • Herausarbeiten von Schnittstellen der Bildungsziele von Kindergärten und Schulen

Karin Dinter/Thomas Staab (LBV)